Storytelling
Dieses Bild habe ich verkauft. Der Sammler möchte anonym bleiben. Er besuchte mich vor ein paar Wochen in meinem Atelier. Ich war mit dem Bild noch nicht fertig bzw. noch in der Entwicklung. Als er das Bild sah, bekam er einen großen Lachanfall. Ich fragte ihn, was los sei, aber er konnte nicht aufhören zu lachen. Bis schließlich Tränen kamen. Er sagte: " Oh Gott, das bin ich. Ich will das Bild haben! " Er erzählte mir, dass er vor 5 Jahren aufgehört hatte Alkohol zu trinken und, dass er deswegen sehr stolz auf sich sei und dies sein Leben total verändert hat. Von dieser Sucht wegzukommen nach täglichem Alkoholkonsum über 20 Jahren, war nicht einfach gewesen. Da braucht man Selbstbeherrschung und einen starken Willen. Das Bild wird ihn jeden Tag daran erinnern, wie stark er ist und daran, für seine Familie da zu sein und nie mehr in so einen Zustand uns so eine Abhängigkeit zurückzufallen. Wie ist das Bild entstanden? Ist Alkoholsucht auch dein Thema? Fragt mich! Ich erzählte ihm, dass ich 2 Monate zuvor einen spannenden Vortrag von meinem Kollegen Dr. Lars Schuh besuchte. Es ging um Impfung und auch Alkoholismus und er erklärte wie schädlich und fatal sich Alkohol auf das Gehirn auswirkt. Übermäßiger Alkoholgenuss lässt Gehirnzellen absterben. Langfristig führt dies offenbar zu einer messbaren Abnahme des Gehirnvolumens. Das Gehirn von Alkoholikern schrumpft sozusagen. Dieser Vortrag berührte mich sehr tief, da ich in meiner Kindheit zuschauen musste, wie mein Vater - damals ein sehr intelligenter Mann - durch den Alkohol immer vergesslicher und verwirrter wurde und schließlich starb. Ich konnte ihn nicht retten. Ich danke Lars für diese aufrüttelnde Geschichte: das hat mich sehr sehr inspiriert und mir vieles klar gemacht, so dass ich nun auch Mitgefühl entwickeln, verstehen und loslassen konnte. Am meisten freut es mich nun, dass ich meinem Sammler mit meinem Bild etwas Gutes tun und ihm Freude bereiten konnte.